Heide Weidele
Leuchtkasten-Objekt mit Synthetischen Fotos
Leuchtkasten-Objekt mit Synthetischen Fotos
Leuchtkasten-Objekt mit Synthetischen Fotos
"Pseudo-Lüster"
"Pseudo-Lüster
"Fides-Scheibe"

Biographie / Ausstellungen
Aus dem Geiste von Dekonstruktion und Konstruktion geboren, schaukeln Kronleuchter - "lustres illuminés" - unter der Decke. Sie sind nicht aus edlem Kristall oder Porzellan gefertigt, sondern aus dem transformierten "armen" Alltagsmaterial Plastik, dem wir seine ursprüngliche Verwendung als Flasche, Kanister, Sieb, Schlauch etc. noch ansehen können. In ausgefallenen Farben und Formen sind die Einzelteile zu Großobjekten zusammengesetzt und scheinen aus sich heraus zu leuchten, fast als ob ihnen spirituelles Eigenlicht innewohne. Aufgehängt an Nylonfäden tänzeln und strahlen sie, zu kostbaren, einzigartigen Pseudo-Lüstern veredelt, heiter im Raum.

Heide Weidele überrascht uns seit Jahren mit immer neuen innovativen Gebilden, deren Reiz in der Kombination von bildhauerischer Stringenz mit ironischem Witz und fröhlicher Überdrehtheit liegt. Ob der Pseudo-Lüster von Heide Weidele einer Lampe gleich funktionieren kann und will, interessiert genau so wenig wie die Frage, ob ein Flugobjekt von Panamarenko auch wirklich fliegen kann. Schöne und wichtige Kunstwerke sind sie alle beide!

Ihre Arbeit als Bildhauerin beginnt, als sie an der Städelschule Malerei studierte. Das mag ein Grund dafür sein, weshalb Farbe ein stets wichtiges Kriterium in ihrem Schaffen bleibt. Da sie das Material Plastik nie als "Original-Material" verwendet, das sie in eine selbst geschaffene Form gießen lässt, sondern vorgefertigte Behältnisse zerschneidet und ihrem Formwillen unterwirft, ist sie stark auf formale Mittel konzentriert. Diese Vorgehensweise zeigt die Mechanismen der Produktion und ermöglicht eine ironische Überprüfung, die bei Heide Weidele zu durchwegs vergnüglichen Ergebnissen führt. Ihren Objekten haftet eine Art jugendliche Frische und Unbekümmertheit an, gepaart mit einer rastlosen Freude an unaufhörlicher Transformation. Nur der Verkauf eines Kunstwerks kann diesen Prozess stoppen, wird es dadurch doch dem Zugriff der Künstlerin endgültig entzogen.

Jenseits üblicher bildhauerischer Materialien wie Holz, Metall oder Stein empfindet sich Weidele in ihrem freien Umgang mit dem industriell hergestellten Plastik beinahe als "underground artist". Dazu passt auch ihre Freude an "schrägen" Ausstellungsorten, wie etwa 2006 in den Gewölbegängen des Barrage Vauban, Straßburg, die als Lagerräume von mittelalterlichen Sandsteinfiguren dienen. Obwohl sie durch zahlreiche Ausstellungen in Kunstvereinen und Museen, zuletzt 2007 im Frauenmuseum, Bonn, dem Kunstverein Marburg und 2006/07 im Martin-Gropius-Bau, Berlin, einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt worden ist, ist sie dennoch ein Geheimtipp unter den zeitgenössischen Künstlerinnen.

In den Synthetischen Fotos führt die Künstlerin ihr bildhauerisches Material gleichsam in einer Steigerung weiter: Die Plastikobjekte, die hier die Grundlage zur Fotocollage darstellen, sind für sich gesehen vollendete skulpturale Werke, die in verschiedenen Raumsituationen aufgestellt und fotografiert werden. Heide Weidele strebt im Fotografieren der Arbeiten jedoch keinen dokumentatorischen Vorgang an, sondern nimmt dieses Fotomaterial als Grundlage für eine neue Arbeit. Sie zerschneidet und zergliedert die für sich schon reichlich skurrilen Plastikobjekte auf den großformatigen Fotoabzügen und fügt sie in der Collage zu neuen, nun vollends abstrakten Gebilden zusammen.

War bereits bei den Plastikobjekten der Abstraktionsgrad vom realen Gebrauchsbehältnis mehr oder weniger gegeben, so erhält er in den Synthetischen Fotos durchschlagende Kraft. Das Fraktale, das zu einem neuen Ganzen zusammengefügt ist, ist kaum noch auf seinen 'Ursprung' zurückführbar. Einige Formen erinnern - wie im Ausstellungstitel angedeutet - tatsächlich an Blüten, an Organisches, andere setzen in ihrer Abstraktheit ganz neue Bildvorstellungen in Gang. Heide Weidele schafft ein provokatives Spiel im Umgang mit dem materiell Greifbaren und fotografisch Ungreifbaren sowie mit der Ungewißheit des Bildes, das den Betrachter und dessen ästhetische Vorstellung herausfordert

Biographie
2006 Artist in Residence, Straßburg
1997 Lehraufträge (s.u.)
1996 Gastprofessur (s.u.), Mitarbeit am Projekt 'von Innen nach Außen', Internationales Städtebauliches Hochschulprojekt
1995 und 1996 Gastprofessur Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
1989 und 1990 Lehrauftrag Hochschule für Gestaltung, Offenbach
1979 bis 1982 Staatliche Hochschule für Bildende Künste - Städelschule - Frankfurt/M.
1974 bis 1981 Hochschule für Gestaltung, Offenbach
1944 geboren

Heide Weidele lebt seit 1971 in Frankfurt/M.
Kunst im öffentlichen Raum

1987 Nassauhafen, Wilhelmshaven
1989 Lenneplatz, Altena, G. Freytagstraße 2, Wiesbaden
1992-1994 Ruhr-Akropolis und Capri-Projekt, beide Duisburg-Ruhrort
1996 Amtsgericht, Rüsselsheim
1997 Kurpark Bad Camberg, Kunsthaus Langenberg
Ausstellungen
2008 "Pseudo-Lüster" und andere neue Arbeiten, Galerie Arte Giani, Frankfurt (E)
2007 "Pur Pur", Heide Weidele, Plastik, und Jan Kolata, Malerei, Marburger Kunstverein
Gabriele Münter Preis 2007, Martin Gropius-Bau, Berlin, und Frauenmuseum, Bonn (G)
2006 "Lustres Illuminés", Installation in der Barrage Vauban, Straßburg
2005 "Trivialgewächse", Museum für angewandte Kunst, Frankfurt (E, K)
"Ding und Unding", Galerie Arte Giani, Frankfurt (E, K)
"Das Schachtelhalm-Prinzip - Arbeiten aus zwanzig Jahren", Goldhalle des Hessischen Rundfunks / Marielies Hess-Stiftung, Frankfurt (E, K)
2004 Kunstverein Siegen im Museum für Gegenwartskunst Siegen (G)
Produzentengalerie, Offenburg (G)
2003 "Flüchtige Verfestigung", Hessischer Rundfunk / Marielies Hess-Stiftung, Frankfurt (G, K)
2002 "Hybriden", Galerie König, Hanau (E)
"Salto Naturale", Kunst im Schloss Untergröningen (G, K)
2001 "Fotografie" (mit Emmanuel Raab), Galerie Arte Giani, Frankfurt (E)
Kunstverein Friedberg (mit Gloria Brand)
"Worte und Schnitte" (mit Klaus Schneider), Bundesministerium für Arbeit, Kleisthaus, Berlin (E)
1999 "Blüten und andere Falschheiten II", Kunstverein Siegen (E)
1998 "Blüten und andere Falschheiten I", Galerie Arte Giani, Frankfurt (E)
1997 Forum im Dominikanerkloster, Frankfurt (E)
Kunstverein Würzburg (G)
Neuer Kunstverein, Aschaffenburg (G)
Atelier Glasmeier, Gelsenkirchen (G)
Aids-Hospiz, Frankfurt (G)
Galerie F, Bad Nauheim (G)
1996 Galerie F, Bad Nauheim (E)
Multiple Ausstellung Standorthalle, Frankfurt (G)
Galerie F, Bad Nauheim (G)
1995 Sequenz, Frankfurt (G)
Rathaus Rüsselsheim (E)
Atelier Glasmeier, Gelsenkirchen (E)
Perspektive e.V., Wilhelmshaven (E)
Sequenz, Frankfurt (E)
1994 Kunsthaus Langenberg (G)
Atelier Glasmeier, Gelsenkirchen (G)
Galerie im Heppächer, Esslingen (E)
1993 Initiativkreis 'pro Ruhrgebiet' e.V., Duisburg (G)
Kunsthaus Kreuzberg, Berlin (G)
Atelier Glasmeier, Gelsenkirchen (G)
Roemer-Museum, Hildesheim (G)
Große Kunstausstellung NRW, Düsseldorf (G)
1992 Militärhistorisches Museum, Dresden (G)
Zeit/Raum-Projekt, Frankfurt (E)
Katharinenstraße 12, Darmstadt (E)
1991 Museum für Zeitgenössische Kunst, Oslo (G)
Kunstverein Friedberg (E)
Sequenz, Frankfurt (E)
1990 Museum Wiesbaden (G)
Chelouche Gallery, Tel Aviv (E)
1989 Galerie im Heppächer, Esslingen (G)
Bildhauersymposion, Altena (G)
Galerie Hirschmann, Frankfurt (E)
1988 Kunstverein Gifhorn (E)
1987 Roemer-Museum, Hildesheim (G)
Kammgarnfabrik, Schaffhausen (G)
Kunsthalle Wilhelmshaven (G)
Bildhauersymposion, Wilhelmshaven (G)
1986 Kunsthalle Wilhelmshaven (G)
1985 Bildhauersymposion, Formine, Italien (G)
Plastik im Südhaus, Frankfurt (G)
forum Stadtsparkasse, Frankfurt (E)
1983 Kunstverein Frankfurt (G)
 (E)=Einzelausstellung
(G)=Gruppenausstellung
(K)=Katalog

Unser Programm
Unsere Künstler
Impressum
Kontakt